WAS BEDEUTET VBAC?
VBAC steht für Vaginal Birth After C-section, also eine vaginale Geburt nach einem vorhergehenden Kaiserschnitt.
WAS IST DAS HAUPT-RISIKO EINER VBAC-GEBURT?
Das hauptsächliche Risiko besteht darin, dass die Narbe innen an der Gebärmutter sich bei einer folgenden Geburt öffnen und damit die Gesundheit und das Leben von Mutter und Kind gefährden könnte.
WIE HOCH IST DAS RISIKO EINER UTERUSRUPTUR?
Um das Risiko für eine Uterusruptur von der Größenordnung her besser einschätzen zu können, habe ich mir über die Jahre immer wieder verschiedene Zahlen angeschaut und bin zu diesem Schluss gekommen:
Von 200-500 Frauen, die schon einmal einen Kaiserschnitt hatten und nun vaginal gebären möchten (das nennt man VBAC - Vaginal Birth After Cesarean, also vaginale Geburt nach Kaiserschnitt), öffnet sich statistisch gesehen offenbar bei einer davon die Narbe unter der Geburt.
Bei zwei von drei Frauen, bei denen das passiert, geht trotzdem noch alles gut mit Mutter und Kind. Das heißt, von 600-1500 Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, haben drei davon eine Ruptur und bei zweien davon geht noch alles gut. Bei einer davon nicht. Das heißt im Klartext, dass von 600-1500 Geburten die Frau und/oder das Baby in irgendeiner Form durch eine Ruptur zu Schaden kommen und im allerschlimmsten Fall sogar sterben könnten.
RISIKO NACH ZWEI VORANGEGANGENEN KAISERSCHNITTEN
Erwähnenswert finde ich auch, dass das Risiko für eine Ruptur nach zwei Kaiserschnitten nicht wesentlich höher ist als nach einem.
FRAGEN ÜBER FRAGEN
1 Geburt von 600-1500 VBACs, bei der jemand ernsthaften Schaden erleidet. Vielleicht sogar stirbt.
Da stellen sich sicher mehrere Fragen:
1 von 600-1500, ist das viel oder wenig? Wie fühlt sich das für einen selbst an? Hat man das Gefühl, man selbst oder sein Baby könnten betroffen sein?
Wenn man Zuhause gebärt, erhöht das dann das Risiko für eine Uterusruptur, weil man im Falle einer Ruptur, wo nur noch ein Kaiserschnitt helfen kann, weit vom nächsten Operationssaal weg ist?
Oder vermindert es das Risiko, weil Zuhause weniger Interventionen vorgenommen werden, die zu einer Uterusruptur führen könnten?
Wenn man statt 600-1500 angestrebten VBACs 600-1500 geplante Kaiserschnitte durchführen würde, zu wieviel Problemen und Pathologie würde das im Vergleich führen? Wieviele Frauen und Kinder würden wegen dem Kaiserschnitt dabei und danach und bei allen folgenden Schwangerschaften und Geburten der Frauen und im weiteren Verlauf des Lebens der Frauen und der Kinder Schaden erleiden oder gar sterben? Eine Frage, auf die ich keine Antwort habe. Aber jeder Kaiserschnitt geht mit ernsthaften Risiken und möglichen Kurzzeit- und Langzeitfolgen einher.
RISIKEN VON KAISERSCHNITTEN
Kaiserschnitt ist der Grund Nummer 1 für Müttersterblichkeit rund um die Geburt in reicheren Ländern. In ärmeren Ländern ist der Grund Nummer 1 Blutungen nach der Geburt und der Grund Nummer 2 ist Kaiserschnitt.
Babys, die durch einen Kaiserschnitt mit Opiaten und anderen Schmerzmitteln, Antibiotika und künstlichem Oxytocin ins Leben starten (um nur drei Medikamentenarten zu nennen, die routinemäßig bei und nach Kaiserschnitten verabreicht werden und über Plazenta und Muttermilch auch zum Kind kommen) haben einen schwereren Start ins Leben, erheblich öfter Atem- und Anpassungsprobleme nach der Geburt, sie leiden stärker unter Gelbsucht, müssen öfter intensivmedizinisch versorgt werden und werden häufiger von ihrer Mutter getrennt. Außerdem bekommen sie nicht durch die vaginale Geburt die entsprechenden Bakterien ab, die ihnen helfen, ein gesundes Mikrobiom zu entwickeln.
Nach einem Kaiserschnitt sind sowohl Mütter als auch Kinder insgesamt erheblich kränker und brauchen erheblich länger, um sich zu erholen als nach einer vaginalen Geburt.
Die längere Erholungsdauer, größere mütterliche Blutverluste und dadurch mehr Blutarmut, das fehlende vaginale Geburtserlebnis, die starken Wundheilungsschmerzen und Schmerzmittelgaben, teils auch bei den Frauen schlimme Kopf- oder Rückenschmerzen als Folge von Spinalanäthesie, die häufige Trennung von Mutter und Kind nach dem Kaiserschnitt und auch dadurch gestörtes Bonding, das Unvermögen der Frauen in den ersten Tagen, ihre Kinder gut zu versorgen, die häufigen Stillschwierigkeiten nach Kaiserschnitt, das häufigere Auftreten von Wochenbettdepressionen nach Kaiserschnitt, all das verschafft Familien einen schwereren Start und kann weitreichende Konsequenzen für das ganze Leben aller Beteiligten haben.
Kaiserschnitte haben auch Auswirkungen auf alle folgenden Schwangerschaften und Geburten der betroffenen Frauen. Zum Beispiel ein höheres Risiko für eine Plazenta praevia bei folgenden Geburten.
Nach einem Kaiserschnitt hält man es heutzutage vielerorts für möglich, dass eine Frau einen VBAC haben kann. Nach zwei oder mehr Kaiserschnitten wird sie meist als wandelnde Zeitbombe betrachtet und kaum jemand wird ihr bei einem VBAC helfen wollen. Dabei steigt mit jedem weiteren Kaiserschnitt die Rate an ernsthaften Komplikationen einschließlich Verletzungen an Blase und Darm während der OP aufgrund von Verwachsungen.
Ein weiterer Punkt, der oft verschwiegen wird: Die Gefühllosigkeit, die viele Frauen an der Narbe und teilweise auch bis weit unterhalb der Narbe empfinden. Viele Nerven sind durch den Kaiserschnitt durchtrennt worden. Das geht so weit, dass manche Frauen nach Kaiserschnitt ein erheblich gestörtes sexuelles Empfinden haben. Einige wenige fühlen gar nichts mehr.
Man überlege sich also gut, ob man einen nicht medizinisch wirklich nötigen Kaiserschnitt freiwillig wählt. Und auch viele Indikationen sollten hinterfragt werden.
RISIKOFAKTOREN FÜR EINE UTERUSRUPTUR
Entscheidet man sich dafür, einen VBAC anzustreben, so ist es gut, wenn man weiß, was die Risikofaktoren für eine Uterusruptur sind, so dass man sie möglichst vermeiden kann.
Wissenschaftlich gesichert ist, dass Einleitungen dazu beitragen oder sogar eine Ruptur verursachen können. Man sollte also, wenn man eine Kaiserschnittnarbe hat, nicht die Geburt einleiten lassen. Am gefährlichsten und zwar extrem gefährlich sind dabei Misoprostol-Tabletten (Markenname früher Cytotec, heute Angusta), am zweitgefährlichsten Prostaglandingel, am drittgefährlichsten Wehentropf (Oxytocin). Aber auch alternative Einleitungsmethoden wie Rizinusöl würde ich tunlichst empfehlen zu vermeiden. Auch Maßnahmen, die natürlich eingetretene Wehen künstlich verstärken, also hauptsächlich wiederum den Wehentropf, sollte man meiden. Ich würde darüberhinaus alles vermeiden, was in irgendeiner Weise in den natürlichen Geburtsablauf und in die Bewegungsfreiheit der wehenden Mutter eingreift. Und auch jede Form von Gewalteinwirkung wie z.B. Kristellern. Eine Geburt nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt sollte natürlich beginnen und ablaufen. Dann ist sie am sichersten.
PDA und auch andere Schmerzmittel können den Schmerz an der Narbe unterdrücken. Opiate können die Frauen benebeln und sie ihrer Ausdrucksfähigkeit berauben. Und Schmerzmittel schränken die intuitive Bewegung und Bewegungsfähigkeit ein, die helfen, den Körper vor Schäden zu schützen.
Ein wichtiger Aspekt bei der Einschätzung des persönlichen Risikos einer Uterusruptur ist sicher auch, warum der Kaiserschnitt stattgefunden hat. Ist der Grund ein Grund, der weiterhin besteht, z.B. ein ungewöhnlich geformtes oder besonders enges mütterliches Becken? Oder ist der Grund nicht mehr vorhanden? Das wäre z.B. der Fall, wenn das vorige Kind in Beckenendlage war und deshalb ein geplanter Kaiserschnitt gemacht wurde. Bei den 600-1500 Frauen unserer Rechnung sind Frauen mit den unterschiedlichsten Geschichten enthalten.
Es sind auch alle die Geburten mit Einleitung und Interventionen wie z.B. PDA oder Wehentropf eingerechnet. Geschieht nichts dergleichen, so kann man sicher mit Recht vermuten, dass das Risiko für die Geburten ohne Interventionen noch weiter verringert wird. Aber es ist trotzdem noch ein Risiko vorhanden. Deshalb ist es wichtig zu wissen, was die Anzeichen einer Uterusruptur sind, damit man sich bei solchen Anzeichen direkt ins nächste Krankenhaus begibt.
ANZEICHEN EINER DROHENDEN ODER ERFOLGTEN UTERUSRUPTUR KÖNNEN SEIN:
- Ein reißendes Gefühl an der Narbe.
- Starke Schmerzen im Bereich der Narbe.
- Wehensturm.
- Plötzliches Aufhören der Wehen.
- Eine Bandelsche Furche: Dabei zieht sich der Ring, der sich zwischen dem unteren und dem oberen Teil der Gebärmutter befindet, nach oben und verformt dabei den Bauch. Bei Beulen, Furchen, Verformungen oberhalb der Symphyse oder weiter oben im Bauch sofort aufmerksam werden.
- Vaginale Blutung, und zwar eine richtige Blutung, nicht lediglich mit Blut vermischter Schleim.
- Anzeichen von innerer Blutung, auch wenn man äußerlich nichts von einer Blutung wahrnimmt. Solche Anzeichen können sein: Schneller Puls, niedriger Blutdruck, Kreislaufbeschwerden, Blässe, Kaltschweißigkeit, Atemnot.
- Absinken der Herztöne des Kindes.
- Todesangst der wehenden Mutter oder eine andere starke Angst oder starkes Unwohlsein.
Auf ernsthafte Zeichen muss man reagieren und die Gebärende sofort ins nächste Krankenhaus bringen!
BLOCKADEN LÖSEN, BABY IM BECKEN
Ich möchte noch einen Punkt erwähnen, dessen Wichtigkeit mir immer klarer geworden ist im Laufe meiner Jahre als Hebamme. Und zwar, dass man vor der Geburt etwaige Blockaden am Becken löst. Der Grund für viele Kaiserschnitte ist nämlich, dass ein Baby mit seinem Köpfchen nicht richtig ins Becken reinkommt. Und umso weniger Blockaden am Becken, umso besser kommt das Baby mit seinem Köpfchen rein. Dabei können Osteopathen oder Craniosacral-Therapeuten oder andere helfen, die sich darauf verstehen, solche Blockaden zu lösen. Am besten geht man vor einer Schwangerschaft oder so früh wie möglich in einer Schwangerschaft zu einem solchen Therapeuten, spätestens aber dann, wenn bei einer Schwangeren, die vorher noch nicht vaginal geboren hat (also einer Erstgebärenden oder einer Frau, die zuvor nur per Kaiserschnitt geboren hat), das Kind bei 38 Wochen noch nicht mit mehr als der Hälfte des Köpfchens im Becken ist. Also nur noch zwei Fünftel des Köpfchens am unteren Bauch über dem Schambein tastbar sind.
Man kann außerdem selbst, evtl. auch mit der Unterstützung von jemandem, der kompetent energetisch arbeitet, hinfühlen/ fragen/ herausfinden, was außerdem das Baby noch davon abhalten könnte, ins Becken zu gehen.
Ihr könnt Euch an mich wenden, wenn Ihr:
Dabei können z.B. zum Einsatz kommen:
Alle Angebote außer körperlichem Abtasten sind auch online oder telefonisch möglich. Fragt mich einfach danach.